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 Ein Führer durch die Kirche und ihre Geschichte
von Helga Lindner
 

 

Im Jahre 1996 feierten wir das 775-jährige Bestehen der Kirche in Kirchwehren. Grundlage dieses Jubiläums ist die älteste (bekannte) Urkunde, die aus dem Jahre 1221 stammt. In ihr bestätigt der Bischof Iso von Verden die Schenkung der Kirche in Wegerthe - so damals der Name dieses Dorfes - nebst einem Hofe und den darauf lebenden Eigenbehörigen an das Kloster Mariensee. Diese Schenkung wird im Jahre 1232 von dem nunmehr volljährigen Sohn und Erben des Bernhard, Graf Konrad von Wölpe bestätigt. Das Kloster Mariensee ist eine Gründung der Grafen von Wölpe und die Familie wollte die Wirtschaftskraft desselben stärken. Bis zum Jahre 1889 hat das Kloster Mariensee das Patronat über unsere Kirche ausgeübt, das u. a. das Recht zur Pfarrstellenbesetzung beinhaltet.

Eine Kirche stand hier also bereits im Jahre 1221. Wann sie erbaut wurde, ist unbekannt. Im 9. Jahrhundert begann, von Wunstorf ausgehend, die Christianisierung der Region. Ab diesem Zeitraum ist ein Kirchenbau im Ort möglich, zu beweisen ist er jedoch erst durch die oben erwähnte Urkunde. Die Silbe Kirch als Bestandteil des Ortsnamens taucht erstmals in einer Urkunde in der Mitte des 14. Jahrhunderts auf, verschwindet dann aber auch vorübergehend wieder.

Vorgesetzte Verwaltungsbehörde der hiesigen Kirchengemeinde war bis zum Jahre 1797 die Inspektion (Archidiakonat) Wunstorf, danach die neu gegründete Inspektion Seelze, seit dem 1.5.1869 die Inspektion Limmer. Seit der Gründung des Kirchenkreises Garbsen/Seelze im Jahre 1975 ist sie diesem zugehörig.

Lathwehren gehört seit dem 16. Jahrhundert zur Kirchengemeinde, Almhorst, das seit dem Mittelalter zum Kirchspiel Seelze gehörte, kam im Jahre 1960 hinzu.

Aus der Hinterlassenschaft von Pastor Beneke (1642 bis 1691 hier tätig), der sich auf den mündlichen Bericht seines alten Küsters beruft, erfahren wir: dem hier ansässigen Herrn von Ketelhodt wurde ein Sohn geboren, der bei eisiger Kälte zur Taufe nach Seelze gebracht wurde und auf dem Rückweg erfror. Weil ihm nun kein weiteres Kind geschenkt wurde, stiftete er eine Kirche und schenkte seinen Besitz dem Kloster Mariensee. Schriftliche Unterlagen hierüber seien nicht vorhanden, wahrscheinlich bei dem großen Brande vor ca. 150 Jahren verlorengegangen, schreibt Pastor Beneke.

Dieser große Brand muss also etwa um 1500 über das Dorf hereingebrochen sein und hat wohl auch die Kirche - möglicherweise aus Holz gebaut - vernichtet, sodass die Einwohner vorübergehend nach Seelze zum Gottesdienst gehen mussten.

Auf jeden Fall ist die von Ketelhodt gestiftete Kirche in vorreformatorischer Zeit gebaut worden, denn bei ihrem Abbruch im Jahre 1753 fand man in den auf dem Altar stehenden Heiligenfiguren Reliquien. Der Vater des berichtenden Küsters hatte an der hiesigen Kirche vor und nach der Reformation gedient.

Über die Dauer der Ansässigkeit der Familie Ketelhodt in Kirchwehren ist leider nichts weiter bekannt, als dass sie der Seeheimer Linie angehörte und im 16. Jahrhundert hier ausgestorben ist. Das Familienwappen, der Kesselhut, das noch heute über dem (zugemauerten) Ostportal der Kirche zu sehen ist und aus dem 1753 abgerissenen Kirchengebäude stammt, beweist, daß es sich bei dem vorstehenden Bericht nicht nur um eine Legende handelt.

Zweifler könnten nun sagen, das Kloster Mariensee war doch schon 1221 durch die gräflich v. Wölpe'sche Schenkung in den Besitz der Kirche gekommen, wie kann nun Herr von Ketelhodt erneut diese dem Kloster stiften? Darin liegt nur scheinbar ein Widerspruch. Es war in jener Zeit durchaus üblich, Besitz und Rechte bei Mangel an liquiden Mitteln zu verpfänden, zu verkaufen oder zu Lehen (eine Art Pacht) zu geben. So ist es denkbar, dass Herr von Ketelhodt auf diese Weise in die Verfügungsgewalt über die Kirche und den dazugehörigen Landbesitz gekommen war. Herr von Ketelhodt wollte vermutlich verhindern, dass die von ihm gestiftete Kirche wieder ein Raub der Flammen werden könnte und ließ sie in Stein ausführen. Wir wissen dieses zuverlässig aus den Beschreibungen des Bauzustandes vor dem Abriss im Jahre 1753. Der Turm wurde übrigens nicht abgerissen sondern in den Neubau integriert und ist heute rund 500 Jahre alt. Das Kirchengebäude war also rund 250 Jahre alt, als der Neubau nach zähen Verhandlungen vom Konsistorium genehmigt wurde. Baufälligkeit und Raummangel waren die letztlich überzeugenden Argumente, die Pastor Wagemann vortrug. Die Zahl der Einwohner in den beiden Dörfern war gestiegen und außerdem mussten für die alljährlich wiederkehrenden einquartierten Soldaten Plätze in der Kirche bereitgehalten werden. Zur finanziellen Unterstützung der kleinen Gemeinde bei ihrem Bauvorhaben ordnete das Konsistorium eine Kollekte in den Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, sowie in den Grafschaften Hoya und Diepholz an.

Dennoch hatten die Gemeindeglieder große Eigenleistungen zu erbringen. Die Materialfuhren hatten die Bauern, die über ein Gespann verfügten, zu leisten. Alle übrigen Gemeindeglieder waren zu Handdiensten verpflichtet. Davon gab es eine Menge zu verrichten, denn all die technischen Hilfsmittel, die in unserer Zeit auf den Baustellen im Einsatz sind, gab es nicht. Auch die Anfuhr der Sandsteine von Barsinghausen, die der Backsteine von Herrenhausen bzw. Poggenhagen und des Kalkes von Hannover nach hier über damals völlig unbefestigte Wege, forderte von Mensch und Pferd die äußerste Anstrengung. Damit die Zimmererarbeiten nahe an der Baustelle durchgeführt werden konnten, mussten zuvor die Gräber eingeebnet werden, denn der Kirchhof war Begräbnisplatz. Wie mag sich diese Maßnahme auf die Stimmung in der Gemeinde ausgewirkt haben?

Als ortsansässige Handwerker waren der Schmied Graeve und der Tischler Pfingsten am Bau beteiligt. Maurer und Dachdecker, Glaser und Maler kamen aus Hannover. Ihre Zünfte durften sich in jener Zeit auf den Dörfern nicht niederlassen.

Hofbildhauer Johann Friedrich Zieseniß fertigte den Altar. Aus seiner Werkstatt stammt mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Taufengel. Nach dem Bericht von Pastor Wagemann wurde am 25. April 1753 mit dem Bau begonnen, am 2. Oktober 1755 fand der Einweihungsgottesdienst statt. Das neue Kirchengebäude präsentierte sich nur um 2 Fuß breiter, aber 21 Fuß länger und 14 Fuß höher als das alte, entsprechend war der Turm erhöht worden. Sparsam war man zu Werke gegangen. Alles irgendwie noch verwertbare Material hatte man wiederverwendet und anderes verkauft. Die Endabrechnung belief sich auf 2.429 Thaler, 6 Mariengroschen und 2 Pfennig. 

Im Jahr 1996, in dem das 775-jährige Kirchenjubiläum in Kirchwehren gefeiert wurde, war das Gebäude 241 Jahre alt. Die letzten großen Renovierungen erfolgten in den Jahren 1971/72 (außen) und 1975/76 (innen)*.

Zu einer Kirche gehört eine Glocke. Die heute noch im Turm befindliche Glocke wurde im Jahre 1617 von dem Meister Joachim Schrader gegossen und hat einen Durchmesser von 82 cm. Sie ist also noch rund 140 Jahre älter als das Kirchenschiff und mit dem Turm übernommen worden. Bis zum ersten Weltkrieg wurde ihr Klang durch den einer zweiten Glocke begleitet. 1917 wurde diese beschlagnahmt und für Kriegsmaterial eingeschmolzen. Das gleiche Schicksal ereilte die im Jahre 1935 neu beschaffte Glocke im zweiten Weltkrieg.

Eine Uhr am Kirchturm, und zwar eine "Schlaguhr", hat es schon vor 1620 gegeben. Seit dieser Zeit belegen regelmäßige Wartungs- und Reparaturkosten ihre Existenz. Im Jahre 1870 wurde eine neue Uhr angeschafft, doch hatte diese keine lange Lebensdauer. Nach knapp 50 Jahren konnte sie nicht mehr gangbar gemacht werden. 1919 stiftete der Vollmeier Conrad Kasstorf aus Lathwehren die Uhr, die heute noch vom Kirchturm her die Zeit anzeigt.

Der Stolz jeder Kirchengemeinde war und ist die Orgel. Eine so kleine Landgemeinde wie die hiesige konnte sich einen solchen Luxus zunächst nicht leisten. Die Stimmkraft des Küsters musste die Gemeinde beim Gesang mitziehen. Als nun der Generalmajor Ernst Adam von Alten vom Militärdienst Abschied genommen und sich auf seinem Gut Dunau niedergelassen hatte, muss der weitgereiste Mann im Gottesdienst eine Orgel sehr vermisst haben. Er verfügte in seinem Testament, daß aus seinem Nachlass 800 bis 1.000 Taler für die Anschaffung einer Orgel und die Besoldung des Orgelspielers - dies sollte der Lehrer aus Lathwehren sein, dessen Einkommen durch das Orgelspiel gebessert werden sollte - bereitzustellen seien. Der Erblasser starb im Januar 1791 und wurde im Erbbegräbnis der Familie von Alten, im Turm der Kirche beigesetzt. Im Frühsommer 1793 war die von Wilhelm Heinrich Bethmann (Baethmann) gebaute Orgel spielbereit.

Näheres kann der Festschrift zum 200-jährigen Orgeljubiläum und der Sonderveröffentlichung der Seelzer Geschichtsblätter Beiträge zur Geschichte Kirchwehrens entnommen werden.

© Helga Lindner, 1996

 

* Nachtrag: Im Jahre 2009 musste eine aufwendige Sanierung des Glockenturmgebälks durchgeführt werden.

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Dreieinigkeit Kirchwehren  | kg.kirchwehren@evlka.de